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Psychologie Des Mannes Bei Kinderwunsch – Vielleicht Lieber Morgen

Psychologie Des Mannes Bei Kinderwunsch – Vielleicht Lieber Morgen

Was fällt bei der Psychologie eines Mannes bei Kinderwunsch auf?

Tickt auch für ihn eine unsichtbare Uhr, obwohl er theoretisch länger zeugungsfähig ist als eine Frau?

Gibt es Statistiken oder Umfragen, die sich mit der Frage beschäftigen, warum viele Männer in jungen Jahren keine Kinder haben und warum manche ihr Leben lang kinderlos bleiben?

Was bewegt Männer dazu, sich ein Kind zu wünschen, wenn es nicht die biologische Uhr ist?

Und ist es wirklich so, dass ein Mann jederzeit Vater werden kann, oder spielt uns unsere Vorstellung da nur etwas vor?

Wie gehen Männer damit um, wenn sich herausstellt, dass ihr Kinderwunsch aus medizinischer Sicht nicht erfüllt werden kann?

In diesem Beitrag findest du die Antworten.

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Plötzlich in den Vierzigern

So kann man es sich vorstellen: Da steht ein Mann mitten im Leben und mitten in seinen Vierzigern.

Der 50. Geburtstag naht mit rasender Geschwindigkeit.

Er hat nun nach mehreren Jobs eine Arbeitsstelle gefunden, die er behalten möchte, aber trotz mehrerer Beziehungen keine Frau, mit der er zusammenbleiben wollte.

Fast alle seine Freunde haben Kinder und es ist schon Jahre her, dass er sich daran gewöhnt hat, dass die Treffen und Zusammenkünfte anders sind als früher.

Jedoch lösen die Fotos von den Kindern, die er immer wieder auf Facebook oder Instagram sieht, so ein seltsames Gefühl bei ihm aus:

Hat er nicht eine gewaltige Lücke in seinem Lebenslauf? Eine Leere im Leben?

Ist es der soziale Druck zur Familiengründung, dem er sich nicht entziehen kann?

Oder hat ihn die Sehnsucht nach einer eigenen Familie letztlich eingeholt? Sucht er sich nun gezielt eine jüngere Partnerin mit Baby-Wunsch?

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Anderer Körper, andere Einstellung

Oft ist Mann geschockt, wenn sich herausstellt, dass mit der Fruchtbarkeit etwas nicht stimmt. Schließlich funktioniert ja die Sexualität einwandfrei.

Aber wenn man die Entscheidung für Nachwuchs ständig vor sich herschiebt, sollte man sich nicht wundern, wenn das Leben einen Strich durch die Rechnung macht.

Doch wie ist das möglich? Späte Väter sind doch keine so große Seltenheit mehr!

Promis wie Heinz Hoenig, Jürgen Vogel, Robert de Niro, Georg Clooney und viele mehr bestätigen die Ansicht, dass Männer stets zeugungsfähig bleiben und dem späten Vaterglück doch nichts im Wege stehen sollte.

Während bei Frauen, die mit 40 schwanger werden, die meisten große Augen (oder Ohren) machen und diejenigen, die es noch mit 44 Jahren wagen schwanger zu werden, schockieren, sorgt die Vorstellung von frisch gebackenen Vätern, die über 50 oder 60 sind und eigentlich schon Opas sein könnten, kaum für Verblüffung.

Bereits ab Mitte Dreißig spricht man bei Frauen aber von einer Risikoschwangerschaft.

Schon nachdem sie diese Altersschwelle passieren, zwingt die Biologie Frauen dazu, sich mit dem Thema Kinderwunsch intensiv auseinanderzusetzen.

Nicht, dass es wirklich nötig wäre, schließlich werden Frauen ja durch die Menstruation regelmäßig daran erinnert, dass sie Kinder kriegen können.

Männer haben so ein körperliches Bewusstsein nicht, wie die Paar- und Familientherapeutin Petra Thron betont.

Und auch in der Gesellschaft spricht man eigentlich nicht über “Risikovaterschaft” oder über mögliche schädliche Auswirkungen des hohen Alters des Vaters auf die Schwangerschaft und das Kind.

Die Promi-Beispiele von später Vaterschaft suggerieren zwar, dass sich Männer keinen Kopf machen sollen.

Jedoch sieht die Realität anders aus…

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Vatersein geht immer?

Es ist zwar theoretisch nicht falsch, dass Männer bis ins hohe Alter Kinder zeugen können, wenn die Spermiogenese weiterläuft, also die Hoden funktionieren und der Mann ejakulieren kann.

Das heißt aber nicht, dass es deshalb auch immer in Ordnung ist, spät Vater zu werden.

Forscherinnen und Forscher der Rutgers University aus den USA haben anhand einer 40 Jahre dauernden Forschung herausgefunden, dass auch Männer sehr wohl eine biologische Uhr haben, die tickt und welche die Gesundheit sowohl ihrer Partnerinnen als auch ihrer Kinder beeinflussen kann.

Die meisten Männer sind sich dessen überhaupt nicht bewusst, wohl auch deshalb, weil die Gesellschaft mit ihnen anders umgeht als mit Frauen.

Letztere werden von manchen sogar kritisiert, wenn sie über 40 noch Kinder haben möchten, so als würden sie mutmaßlich das neue Leben, das sie zeugen möchten, schon im Ansatz zu gesundheitlichen Problemen und Störungen verurteilen.

Haben Frauen über 35 (noch) keine Kinder, werden ihnen oft verfehlte Lebenswege vorgeworfen. Immer noch müssen sich Frauen manchmal regelrecht rechtfertigen, wenn sie keine Kinder haben (wollen).

Oder es wird vermutet, dass sie unter solchen Schicksalsschlägen zu leiden hatten, welche sie um ihre Selbstbestimmung gebracht haben.

Denn viele Menschen sind der Ansicht, dass Muttersein zur Selbstbestimmung von Frauen dazugehört. Anders bei Männern.

Die werden nämlich als eigensinnige, aber mutige Einzelgänger wahrgenommen, wenn Familienplanung in ihrem Leben keine Rolle spielt.

Wenn Männer sich keinen Kopf ums Kinderkriegen machen, dann oft auch deshalb, weil sie der Überzeugung sind, dass sie jederzeit Vater werden können.

Da stellt sich aber eine äußerst pragmatische Frage: Welche Frau soll denn die Mutter sein?

Der Demograf und Soziologe von der Uni Rostock Christian Schmidt meint dazu, dass ältere Männer sehr selten mit fruchtbaren Frauen zusammenkommen (die Realität sieht nämlich ganz anders aus als bei den Promis).

Der Altersunterschied beträgt im Schnitt nämlich etwa drei Jahre.

Und hat man seine Spermien nicht einfrieren lassen, hat man auch als Mann nach dem 40. Lebensjahr damit zu kämpfen, dass die Fruchtbarkeit nachlässt.

Und anders als Frauen sind Männer hinsichtlich ihrer reproduktiven Gesundheit weitaus weniger informiert und aufmerksam, was von einer gewissen Verantwortungslosigkeit zeugt.

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Fortgeschrittenes Alter des Mannes als Risiko für Frau und Kind

Es ist also anerkannt, dass körperliche Veränderungen nach dem 35. Lebensjahr bei Frauen nicht nur die Empfängnis und die Schwangerschaft, sondern auch die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen können, aber bei Männern, bei denen es im fortgeschrittenen Altern ähnliche Auswirkungen geben kann, besteht noch großer Aufklärungsbedarf.

Ärzte sind sich allerdings nicht einig, was “fortgeschrittenes Alter” bedeutet.

Medizinerinnen und Mediziner diskutieren schon länger darüber und schwanken bei den Angaben zum Alter, was als fortgeschritten gilt, zwischen 35 und 45 Jahren. Bereits in diesem Zeitraum lässt nämlich die Spermienqualität nach.

Auch am Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster weiß man um die möglichen Risiken einer späten Vaterschaft Bescheid.

Und man ist sich auch dessen bewusst, dass der Einfluss des Alters des Vaters vernachlässigt wurde.

Stefan Schlatt, Direktor des genannten Zentrums, klärt darüber auf, wie es zu so einer Vernachlässigung gekommen ist: Frauen kommen mit einer bestimmten Anzahl an unreifen Eizellen – etwa 400.000 pro Eierstock – zur Welt.

Dieser Pool ist also begrenzt und altert stetig vom ersten Tag nach der Geburt.

Männer hingegen produzieren im Laufe ihres ganzen Lebens täglich Millionen von neuen Spermien, weshalb man davon ausgegangen ist, dass sie nicht altern.

Durchaus kommt es aber, so Schlatt, bei Spermien zu epigenetischen und genetischen Veränderungen im Laufe der Jahre, sodass ihre DNA-Integrität beeinträchtigt wird.

Das kann sich nachteilig auf die Entwicklung der Schwangerschaft und des Babys auswirken.

Eine Studie, die 2019 im British Medical Journal veröffentlicht wurde, untersuchte die Auswirkungen des Alters der Eltern für die Gesundheit für Frau und Kind, wobei mehr als 40,5 Millionen Geburten in den USA zwischen 2007 und 2016 ausgewertet wurden.

Es wurden mehrere Angaben zu den Personen erfasst, wie die Nationalität, soziale Herkunft und Bildung, und nach dem Alter der Väter wurde gefragt.

Forscherinnen und Forscher konnten feststellen, dass es zu Frühgeburten kam (wo die Schwangerschaft unter 37 Wochen dauerte), zu geringem Geburtsgewicht (unter 2.500 Gramm), zur Notwendigkeit der Atemhilfe nach Geburt, zum Auftreten von Krampfanfällen.

Babys mussten in die neonatologische Intensivstation gebracht und Antibiotika verabreicht werden.

Bei werdenden Müttern kam es zur Schwangerschaftsvergiftung und Schwangerschaftsdiabetes, wobei dies mit zunehmendem Alter der Väter eher der Fall war.

Das Risiko für diese Krankheiten stieg um 28 Prozent bei Vätern an, die zwischen 45 und 54 Jahre alt waren und um 34 Prozent bei jenen über 55.

So wird nachweislich deutlich, dass ein hohes Alter des Vaters zu Komplikationen bei Mutter und Kind führen kann.

Laut früheren Untersuchungen besteht sogar ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Autismus und dem hohen Alter des Vaters.

So müssen sich also nicht nur Frauen, sondern auch Männer mit der Frage beschäftigen, ob sie bei einer späten Elternschaft dazu bereit sind, ein Kind mit Behinderung in Kauf zu nehmen.

Die Verantwortung ist groß, also tut man gut daran, im späten Alter über eine genetische Beratung nachzudenken und eine Risikoabschätzung in Anspruch zu nehmen.

Oder aber Mann sorgt vor und lässt seine Spermien spätestens bis zum 45. Lebensjahr einfrieren.

Dieser Vorgang nennt sich Kryokonservierung und wird von Medizinern empfohlen, die sich über die Tendenz der steigenden Zahlen immer älter werdenden Eltern besorgt zeigen.

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Männer ticken anders als Frauen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Jahr 2014 eine Untersuchung zur gewollten und ungewollten Kinderlosigkeit veröffentlicht, in der ersichtlich wird, dass mit 57 % mehr als die Hälfte der Männer im Alter zwischen 30 und 34 kinderlos sind.

32 % der 40- bis 44-jährigen und 27 % der 50- bis 54-jährigen Männer hat keine eigenen Kinder. Etwa ein Viertel der deutschen Männer bleibt dauerhaft kinderlos. Was ist da los?

Hat sich das einfach nicht ergeben? Haben diese Männer die richtige Partnerin nicht gefunden?

Sind es “Zeugungsstreiker” aus ähnlicher Überzeugung wie berufstätige Akademikerinnen? Oder haben diese Männer die Entscheidung zu lange hinausgezögert?

Wenn Unfruchtbarkeit nichts damit zu tun hat, dann lassen sich laut Demografen und Soziologen zwei Gruppen von Männern unterscheiden, die aus verschiedenen Gründen keine Kinder haben.

Zum einen sind da diejenigen, die nicht gut verdienen und als Geringverdiener weniger Chancen haben, in einer festen Partnerschaft zu bleiben, in der Kinderkriegen zur Option wird.

Ihre sozioökonomische Situation macht sie für die Vaterrolle unattraktiv.

Nein, Frauen wünschen sich meistens keine Haupternährer, auch wenn viele Männer sich immer noch als solche verstehen, aber sie haben auch keine Lust, die Hauptverdienerin zu sein und für die ganze Familie den Laden zu schmeißen.

Die zweite Gruppe entspricht mehr dem Klischee des rastlosen Mannes, der sich im Leben ausprobieren möchte.

Allerdings ist die Sache bei Weitem nicht so plump, wie sie scheint. Denn Männer wollen in der Regel auch Zeit für das Kind haben, wenn sie sich dafür entscheiden.

Gleichzeitig sind sie aber oft nicht bereit, Karriere und berufliches Engagement zurückzuschrauben und zum Beispiel auf Teilzeit zu gehen, was viel eher bei Frauen zu beobachten ist.

Zudem erwarten immer noch die meisten Männer, dass sie der erwerbstätige Elternteil bleiben und hauptsächlich die Frau die Rolle der Betreuerin und Erzieherin übernimmt und sich als “gute Mutter” gut um die Kinder kümmert.

So kommt für Männer mit hoher Berufsqualifikation eine Familiengründung erst dann infrage, wenn sich die Partnerin dazu bereit fühlt, Beruf und Karriere hinten anzustellen.

Sie selbst haben oft andere Pläne und berufliche Ziele, die sie verwirklichen und erreichen wollen, möchten aber, häufig anders als sie es von den eigenen Vätern kennen, “später” unbedingt viel Zeit für ihre Kinder haben.

Jetzt aber noch nicht. Zuerst ist der Beruf dran.

Trotz der veränderten Geschlechterrollen sind es immer noch recht wenige Männer, die gleichberechtigt mit den Partnerinnen Haushalt und Kindererziehung teilen und zur Hälfte übernehmen.

Die traditionelle Vorstellung von Männlichkeit und von Vatersein ist in der Gesellschaft immer noch stark verankert.

Der Familienforscher Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) gibt zu verstehen, dass es für individualistische, flexible und äußerst karrierebewusste Männer häufig die Konsequenz gibt, dass die Biologie das letzte Wort behält.

Denn wenn Männer zwischen 30 und 40 beruflich nicht abgesichert sind, also keinen festen Arbeitsplatz haben, dafür aber umso mehr projektbedingt pendeln oder sich noch nicht für eine solide Partnerschaft festlegen wollen, dann bleiben sie häufig kinderlos.

Da gibt es aber noch etwas, das bei Männern auf der Prioritätenliste steht, wie es Soziologin Claudia Zerle-Elsäßer am Deutschen Jugendinstitut erklärt, was vielleicht die ein oder andere Leserin überraschen wird.

Anders als Frauen nämlich, die in der Regel einen innerlich verankerten Kinderwunsch haben und diesen von einem geeigneten Partner verwirklicht sehen wollen, entwickeln Männer oft erst dann einen Kinderwunsch, wenn sie das Gefühl haben, mit der richtigen Frau zusammen zu sein.

Und oft treffen sie diese erst spät.

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Männer leiden bei ungewollter Kinderlosigkeit nicht weniger als Frauen

Männer sehen sich zwar nicht mit einem krassen Umbruch wie Frauen mit der Menopause konfrontiert, die für die Zeugungsfähigkeit das brutale Aus bedeutet.

Dafür verdrängen sie aber die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und drücken sich vor der Trauerarbeit, wie der Psychotherapeut und Autor Björn Süfke zu verstehen gibt.

Und man muss nicht einmal einen unerfüllten Kinderwunsch haben, um Trauergefühle zu entwickeln.

Der Psychotherapeut weiß nämlich, dass jede Lebensmöglichkeit, die wir verpasst und nicht verwirklicht haben, betrauert werden will.

Manche Männer knüpfen das mögliche Vaterwerden an ein Ultimatum, ohne Rücksicht auf Konsequenzen, wie wenn sie sich eine Altersgrenze setzen, bis wann sie entweder Kinder bekommen oder die Sache ganz aufgeben.

Kinderwunschbehandlung kommt bei ihnen nicht infrage. Eine Auseinandersetzung mit Wünschen und Ängsten ist das natürlich nicht.

Bei unerfülltem Kinderwunsch muss man darüber nachdenken, wie man sonst dem Leben (neuen) Sinn verleiht und abseits des Projekts Familie fruchtbar wird.

Es gibt zahlreiche Alternativen, die man angehen kann. Die Klassiker wären ein Buch schreiben, viel reisen oder sich ehrenamtlich engagieren.

Die Frage nach der Sinnstiftung ereilt übrigens nicht nur kinderlose Menschen und Partnerschaften, sondern auch Mütter und Väter, die ihre Kinder großgezogen haben und sich nun im leeren Nest wiederfinden.

Nach der ersten Orientierungs- und Ratlosigkeit geht es schließlich an ein neues Projekt.

Idealerweise erfüllt es beide Menschen in einer Partnerschaft und kann diese neu beleben.

Eltern in dieser Lebensphase können von Kinderlosen lernen, denn letztere haben meistens den Lebenssinn in ganz anderen Sachen gefunden und können Antworten auf Fragen liefern, die sich Eltern mit erwachsenen Kindern vielleicht zum ersten Mal stellen.

Übrigens stimmt es nicht, dass Männer weniger als Frauen darunter leiden, wenn sie erfahren, dass sie ihr Wunschkind niemals haben werden.

Erst in den letzten Jahren hat die Forschung angefangen, sich mit der Gefühlslage von Männern zu beschäftigen, die ungewollt kinderlos sind.

Natürlich werden Frauen von der Angelegenheit auch direkt körperlich mitgenommen, was einer der Gründe ist, warum das Interesse bislang nur den Frauen galt.

Darüber hinaus dachte man tatsächlich lange, dass Männer weniger leiden, wenn sie einen unerfüllten Kinderwunsch haben.

Neuerdings zeigen Forschungen aber, dass das nicht stimmt und Männer sich bei einem solchen Verlust emotional zurückziehen und andere Bewältigungsstrategien an den Tag legen, die weniger offensichtlich sind.

In einer Studie wird zum Beispiel der Fall eines Paares genannt, bei dem die Frau nach einer Fehlgeburt einen Rückzug in ihre vier Wände macht, während der Mann sich dazu anschickt, die Küche zu renovieren.

Auf den ersten Blick ist das eine unsensible Reaktion. Es handelt sich aber keineswegs um Gleichgültigkeit, sondern um einen Versuch, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen, in der er nichts tun kann.

Kaum etwas quält so sehr wie Macht- und Hilflosigkeit.

Die Familientherapeutin Petra Thorn kennt solche Fälle aus ihrer Beratungspraxis und weiß, dass dieser Art von Aktionismus eine Bewältigungsstrategie ist.

Frauen haben eher das Bedürfnis, über die Sache zu reden, während Männer eher schlecht damit umgehen können.

Schließlich führt das Reden zu keiner Lösung und es dreht sich alles im Kreis.

Deshalb rät die Familientherapeutin zum Kompromiss: Man legt sich darauf fest, dass beispielsweise eine halbe Stunde pro Tag über die Sache gesprochen wird, nicht mehr.

Manche Männer leiden mehr als andere an unerfülltem Kinderwunsch.

Dabei spielt der Kulturkreis, aus dem sie stammen, eine maßgebliche Rolle, was auch Studien belegen.

Männer aus traditionellen Gesellschaften trifft die Kinderlosigkeit viel härter als jene aus progressiven Gesellschaften.

Mancherorts ist das Thema sogar tabuisiert und führt dazu, dass sich Männer schämen und nicht darüber sprechen können oder wollen.

Außerdem fühlen sich Männer oft in ihrer Männlichkeit verletzt, wenn es sich herausstellt, dass die biologischen Ursachen für die Kinderlosigkeit bei ihnen selbst liegen.

Es ist ein Schlag fürs Selbstverständnis des Mannes, wenn er erfährt, dass er zeugungsunfähig ist.

Da eine Kinderwunschbehandlung die Beziehung belastet, sollten Paare unbedingt vorher gemeinsam definieren, wo die Grenzen der Anstrengungen sind.

Dazu gehören Fragen nach der Menge der in-vitro-Versuche, die man machen möchte, nach Alternativen wie Adoption oder einem Plan B.

Glücklicherweise gibt es Paare, die trotz unerfülltem Kinderwunsch ein schönes Leben führen und die es geschafft haben, diese Sehnsucht zu begraben und durch ein anderes, ebenfalls sehr sinnvolles Lebensprojekt zu ersetzen.

Die Sozialforschung hat dazu auch ermutigende Erkenntnisse, nämlich dass Menschen in kinderlosen Partnerschaften auf lange Sicht nicht weniger zufrieden mit ihrem Leben sind.

Psychologie des Mannes bei Kinderwunsch – Persönliche Berichte von Männern

Anders als bei Ergebnissen von Studien und Befragungen bekommt man mit individuellen Geschichten ein genaueres und vielfältigeres Bild der Realität.

Deshalb habe ich hier fünf Berichte von Männern, die aus verschiedenen Gründen kinderlos sind.

Bernd, 41, Erzieher, in fester Partnerschaft

Ich habe keine Kinder, weil ich um die Gesundheit meiner Partnerin besorgt sein würde.

In ihrer Familie gibt es eine schwere psychische Erkrankung, die genetisch bedingt ist und bei ihr selbst in der Schwangerschaft ausbrechen könnte. Mit dem Risiko komme ich nicht klar.

Außerdem ist in den letzten Jahren beruflich mit der Selbstständigkeit und dem Aufbau eines eigenen Unternehmens beschäftigt, also war auch das Timing schlecht.

Mir geht es dabei ziemlich gut. Als Erzieher habe ich täglichen Umgang mit Kindern und empfinde die Kinderlosigkeit glücklicherweise nicht als eine schmerzliche Lücke in meinem Leben.

Zudem haben meine Partnerin und ich gemeinsam die Entscheidung getroffen, ohne Kinder zu leben.

Nun sind wir beide über 40 und uns der Endgültigkeit unserer Entscheidung bewusst.

Natürlich gibt es Augenblicke, in denen ich mir Fragen stelle und darüber nachdenke, wie unser Leben wohl mit Kindern aussehen würde.

Aber diese meist kurzen Überlegungen sind nicht schmerzhaft und werden schnell von Gedanken an die Vorteile unseres Lebens abgelöst.

Schließlich nutzen wir unsere Freizeit für Hobbys und Reisen und genießen die Ruhe nach dem Feierabend.

Über den Rückzug in mein ruhiges Zuhause freue ich mich nach schönen, aber auch anstrengenden Kitatagen besonders.

Außerdem gibt es ja Kinder in unserem Leben, denn wir haben beide Neffen und Nichten und auch die Kinder von Freundinnen und Freunden sehen wir regelmäßig.

Alexander, 52, Flugbegleiter, in fester Partnerschaft

Eigene Kinder haben nie zu meiner Lebensvorstellung gepasst. Da ich als Flugbegleiter arbeite, bin ich ständig unterwegs.

Auch wenn es oft anstrengend ist, mag ich die Reisen und meinen Job.

Ich habe mir nicht einmal richtig vorgestellt, wie es wäre, Vater zu sein. Ich konnte mich nie in dieser Rolle sehen.

In meiner Jugend fand ich die politische Situation alarmierend und dachte mir, bloß keine Kinder auf diese Welt zu bringen. Auch heute bin ich ähnlicher Ansicht…

Ja, es gab in meinem Leben ein paar Frauen, mit denen ich mir gut vorstellen konnte, Kinder zu bekommen.

In einer romantischen Nacht am Meer unterm Sternenhimmel hatte ich mich vor etwa fünfzehn Jahren sogar dazu entschieden, aber es kam nicht zur Empfängnis.

Und ich hatte gemerkt, dass ich darüber erleichtert war. Danach sind sogar drei Beziehungen gescheitert, weil sich die Frauen Kinder wünschten.

Ich wollte ihnen nicht vormachen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war, sondern habe Klartext geredet: Ich möchte keine Kinder.

Nun bin ich seit einigen Jahren mit meiner gleichaltrigen Partnerin zusammen, die aus einer früheren Beziehung einen erwachsenen Sohn hat.

Somit war das Kinderkriegen bei uns nie ein Thema und ich fühle mich dabei sehr wohl.

Auch bin ich sehr froh darüber, dass meine Partnerin einen erfüllten Kinderwunsch hat und ich nicht das Gefühl habe, sie um etwas gebracht zu haben.

Manchmal frage ich mich schon, wie es wohl gewesen wäre, wenn wir uns vor zwanzig Jahren kennengelernt hätten. Und wie es sich anfühlen würde, dem eigenen Kind die Welt zu zeigen.

Aber ich denke mir nichts weiter dabei, außer dass es menschlich ist, manchmal über nicht wahrgenommene Möglichkeiten nachzudenken.

Pavel, 47, Requisiteur, verheiratet

Die Frau, die ich liebe, hatte vor zehn Jahren, als wir uns kennenlernten, bereits eine Tochter aus erster Ehe.

Zwar wollten wir gemeinsame Kinder haben, aber bei ihrer ersten Schwangerschaft gab es solche Komplikationen, dass uns die Ärzte davon abrieten.

Auch wenn ich immer noch manchmal traurig bin, dass wir kein gemeinsames Kind haben, hatte ich dennoch Glück, denn ihre Tochter und ich haben uns mit der Zeit sehr lieb gewonnen.

In meiner Werkstatt hilft sie nach der Schule gerne bei allem mit und empfindet das als Hobby. Vielleicht wird sie selbst Requisiteurin.

Der leibliche Vater spielt kaum eine Rolle, da er sich nie für seine Tochter interessiert hat. So erfülle ich also selbst die Vaterrolle und fühle mich dabei wohl.

Es ist erstaunlich, wie nah man sich kommen kann, wenn man gemeinsam an etwas arbeitet. Und es erfüllt mich mit Stolz, dass das Mädchen mit viel Wertschätzung auf meine Arbeit blickt.

Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich mir denke, dass das mit einem eigenen Kind wahrscheinlich anders ausgesehen hätte. Woher dieser Gedanke kommt, weiß ich nicht.

Aber er zeigt mir, dass ich mich mit meiner Situation gut abgefunden habe und mir ihrer Vorteile bewusst bin.

Volker, 40, Theaterkritiker, Single

Das Thema Kinder gehört einfach nicht zu meinem Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, anders als freiberuflich zu arbeiten, möchte die Spontanität in meinem Leben nicht missen. Außerdem hatte ich bislang eher kurze Beziehungen.

Manchmal denke ich mir schon, dass ich mich selbst sabotiere, dass ich meinen Lebensstil später bereuen werde.

Vor allem, wenn Freunde über ihre Kinder erzählen und erklären, dass Vater sein die beste Erfahrung ist, die sie jemals gemacht haben.

Tatsächlich sind alle in meinem Freundeskreis dieser Meinung. Und alle meine Freunde haben Kinder.

Dann werde ich nachdenklich. Ich frage mich, wie mein Leben im Alter wohl aussehen wird, ohne Familie, die ich selbst gegründet habe.

Oder ob ich jemals in einer festen, langjährigen Partnerschaft sein werde, denn mit der Zeit wird man ja immer eigensinniger und lässt sich nur schwer auf jemand anderen ein.

Auch wenn die Partnersuche mit zunehmendem Alter immer unromantischer wird, finde ich die Vorstellung, gezielt nach einer Frau mit Kinderwunsch zu suchen, abstoßend.

Alles in allem beruhigt mich die Tatsache, dass ich ein Mann bin und für Nachwuchs noch ziemlich viel Zeit bleibt.

Ein Freund von mir ist zum Beispiel mit 51 zum ersten Mal Vater geworden, während seine Partnerin 38 ist. Solche Fälle sind mittlerweile ziemlich normal geworden.

Also bereitet mir das Thema noch keine Kopfschmerzen.

Thomas, 55, Firmenchef, verheiratet

Meine Frau und ich haben uns Kinder gewünscht, aber es stellte sich heraus, dass sie nicht auf natürlichem Weg schwanger werden konnte, also begaben wir uns in die Kinderwunschbehandlung.

Nach fünf Jahren erfolgloser Versuche hatten wir beschlossen, es sein zu lassen.

Natürlich bin ich darüber immer noch traurig. Ich wollte immer schon Kinder haben, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich selbst aus einer Großfamilie komme.

Auch meiner Frau ging es ähnlich. Als wir es dann versuchten und in der Kinderwunschbehandlung landeten, hat das für viel Stress gesorgt und war eine große Belastung.

Die Eingriffe, die sie hingenommen hatte, waren auch körperlich sehr belastend und ich fand es schlimm, ihr das nicht abnehmen zu können.

Dazu kamen unfreundliche Fortpflanzungsmediziner, die keinerlei Sensibilität zeigten. Ich finde, dass wir das lange genug ausgehalten hatten.

Tatsächlich hat uns die gemeinsame Entscheidung, das Kapitel Familiengründung abzuschließen, als Paar gestärkt und zusammengeschweißt.

Das ist auch deshalb gut so, weil man in der Gesellschaft als kinderloses Paar (immer noch) beurteilt (und verurteilt) wird.

Da fragen sich die Leute, an wem es wohl liegt, dass wir keine Kinder haben, ob das Alter Schuld ist oder ob wir Egoisten sind.

Glücklicherweise haben weder ich noch meine Frau das Bedürfnis, uns zu rechtfertigen. Sollen doch die Leute denken, was sie wollen.

Wir sind seit einigen Jahren wieder in der Lage, unser Leben zu genießen und haben einen Ersatz für die Lücke in gefunden.

Als Paten begleiten wir nämlich ein Mädchen intensiv, geben so etwas von uns weiter und pflegen unsere väterliche und mütterliche Seite.

Abschließende Gedanken

Bei Frauen ist es gesellschaftlich schon lange anerkannt, dass es bei zunehmendem Alter erhöhte Risiken für Schwangerschaft und Baby gibt.

Bei Männer hingegen, dass Spermien nicht altern, weshalb man in der Regel davon ausgeht, dass Mann sein Leben lang Vater werden kann.

Dass dem aber nicht so ist und immer noch Aufklärungsbedarf besteht, habe ich in diesem Beitrag erklärt.

Ab einem Alter des Mannes von etwa 45 Jahren bestehen für Frau und Kind gesundheitliche Risiken, also sollten unentschlossene oder die Entscheidung stets aufschiebende Männer am besten ihre Spermien vor dem 40. Lebensjahr einfrieren lassen.

Anders als Frauen entwickeln Männer oft einen Kinderwunsch, wenn sie das Gefühl haben, die richtige Partnerin gefunden zu haben.

In der Regel möchten Männer aber erstmal beruflich abgesichert sein und schon viele Erfahrungen gemacht haben, bevor sie sich für eine Familiengründung entscheiden.

Und auch wenn das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter in aller Munde zu sein scheint, erwarten die meisten Männer von Frauen mit einer Selbstverständlichkeit, dass sie Beruf und Karriere zurückstecken, um Mutter zu werden, während sie selbst dazu nicht bereit sind.

Andererseits gibt es das Vorurteil, dass Männer bei unerfülltem Kinderwunsch weniger leiden als Frauen, was aber Forschungen zufolge nicht stimmt.

Hier findest du auch persönliche Berichte von kinderlosen Männern, die sich zu dem Thema äußern, von denen einige einen unerfüllten Kinderwunsch haben, es aber geschafft haben, ein Ersatzprojekt im Leben zu finden, das für Erfüllung sorgt.

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