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Osteopathie Schwangerschaft – Bist Du Wirklich In Guten Händen?

Osteopathie Schwangerschaft – Bist Du Wirklich In Guten Händen?

Hast du über diese Alternativmedizin schon früher gehört oder ist dir der Begriff Osteopathie in der Schwangerschaft vielleicht beim Geburtsvorbereitungskurs über den Weg gelaufen?

Falls du privat krankenversichert bist, hast du womöglich über deine Versicherung von osteopathischer Behandlung gehört und es klingt verlockend, eine zusätzliche Begleitung neben Gynäkologen oder Hebamme zu bekommen?

Du leidest an Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen oder Sodbrennen, an Rückenschmerzen oder Kurzatmigkeit? Oder hast du erfahren, dass dein Baby sich in einer Fehllage befindet?

Ein Osteopath stellt die Diagnose und behandelt auch mit den Händen. Es gibt drei Formen der Osteopathie, nämlich die viscelare, die strukturelle und die cranio-sacrale.

Grundsätzlich wird Osteopathie angewendet, wenn der Bewegungsapparat an Störungen leidet.

Kann Osteopathie aber helfen und in der Schwangerschaft für Linderung sorgen? Gibt es Nachweise für die Wirksamkeit oder vielleicht Risiken, die man in Betracht ziehen sollte?

Wie ist diese komplementärmedizinische Behandlungsform überhaupt entstanden? In diesem Beitrag gehe ich für dich diesen Fragen nach.

Osteopathie Schwangerschaft – Die Geschichte dahinter

In den USA hat im 19. Jahrhundert der Arzt Taylor Still das Konzept der Osteopathie an einem philosophischen Gedankengebäude gegründet.

Der Begriff leitet sich vom altgriechischen ostéon für ‚Knochen‘ und páthos für ‚Leiden‘ ab.

Damals waren physiologische und immunologische Wechselwirkungen noch weitestgehend unbekannt und der Arzt hat versucht, in einer narrativen, philosophischen Sprache diese Zusammenhänge darzustellen.

Seine grundlegende Ansicht war, dass der Körper eine funktionelle Einheit bildet und fähig zur Selbstregulierung ist.

Dabei hängen Körperfunktionen von der Versorgung vom Gefäß- und Nervensystem ab. Heilung ist nur möglich, falls die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

Still hat seine osteopathische Theorie selbst als Philosophie bezeichnet, wobei manche seiner Ansätze tatsächlich naturwissenschaftlichen Kenntnissen widersprechen, weshalb sie als Irrlehre verworfen wurde.

Allerdings orientiert sich Osteopathie, die manche seiner Annahmen übernommen hat, heutzutage an der wissenschaftlichen Medizin.

Da der Körper also eine Einheit ist, können sich Störungen in einem Bereich auf einen anderen auswirken, so Stills Schlussfolgerung.

Dabei soll es hilfreich sein, das Knochengerüst und den Bewegungsapparat osteopathisch zu behandeln, damit diese Störungen aufgelöst werden.

Still war der Meinung, dass verspannte Muskeln, Arterienverkalkung und blockierte Gelenke dazu führen, dass die Versorgung des Körpers durch den Blutkreislauf behindert wird und sich daraus Symptome und Beschwerden ergeben.

Seine Theorie besagt, dass eine osteopathische Behandlung mit Händen Anspannungen von Knochen, Muskeln und Gelenken feststellen kann und dass sich der Körper nur selbst heilen kann, wobei die Osteopathin diesen Prozess begleitet und fördert.

Osteopathie Schwangerschaft – Die verschiedenen osteopathischen Techniken

Die Deutsche Gesellschaft für manuelle Medizin (DGMM) macht einen deutlichen Unterschied zwischen osteopathischen Behandlungsformen, die eine medizinische Grundlage haben und solchen, die im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Forschungen stehen.

Osteopathen zufolge hängen Schädel, Organe, Rückenmark und Bewegungsapparat zusammen, sodass sie das Individuum als Ganzes betrachten, was den Unterschied zu anderen manuellen Techniken ausmacht.

Osteopathen müssen sich daher in Physiologie, Anatomie und Biomechanik gut auskennen, damit sie Zusammenhänge erkennen und feststellen können, die zu Blockaden, Symptomen und Beschwerden führen.

Die Behandlung ist darauf ausgerichtet, dem Körper dabei zu helfen, Integrität und Ordnung wieder herzustellen.

Osteopathie wird nicht nur bei Störungen und Schmerzen des Bewegungsapparats angewandt. Anwendungsgebiete sind auch funktionale Störungen wie Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Ohrensausen.

Bei Störungen des Bewegungsapparats, wie es eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäure oder Gelenke, verkürzte und angespannte Muskeln oder Verquellungen des Bindegewebes sind, versucht der Osteopath, eine Diagnose zu stellen und herauszufinden, wie sich die Beschwerden auf die Organe und den Körper auswirken.

Die strukturellen Techniken, die dem Körper zur Selbstregulierung verhelfen sollen, umfassen Handgriffe, mit denen blockierte Wirbelsäulensegmente eingerenkt werden oder auch Weichteiltechniken.

Das Risiko bei diesen Techniken ist, dass sie vorgeschädigte Stellen noch schlimmer machen können und beim Einrenken der Halswirbelsäule sogar ein Schlaganfall ausgelöst werden kann.

Erfahrene Osteopathen lassen deshalb von solchen Techniken bei Risikopatienten ab.

Die Organe befinden sich durch unsere Atemtätigkeit in ständiger Bewegung und manchmal kann es durch Entzündungen oder Operationen ausgelöste Einschränkungen dieser Bewegung kommen.

Mit viscelaren, sanften Techniken versucht der Osteopath, die Beweglichkeit und das Zusammenspiel der Organe zu fördern.

Osteopathen gehen davon aus, dass es zwischen verschiedenen Knochenteilen des Schädels Fluktuationsbewegungen gibt, die sich im ganzen Körper ausbreiten.

Falls eine Schädelnaht also aus irgendeinem Grund, beispielsweise aufgrund eines Sturzes, blockiert ist, äußert sich das in Störungen wie Kopfschmerzen oder schlechten Schlaf.

Die cranio-sacralen Techniken zielen darauf ab, die betroffenen Bereiche mit den Händen zu erfassen und für Bewegung zu sorgen, die dabei helfen soll, dass Entspannung aufkommt und sich ein normaler Rhythmus wieder einstellt.

Osteopathie Schwangerschaft – Was kann eine osteopathische Behandlung für werdende Mütter tun?

Eine Schwangerschaft geht mit großen physischen und psychischen Veränderungen für eine Frau einher.

Dabei muss sich der ganze Körper umstellen, vom Muskel-Skelett- bis zum Herz-Kreislauf- und Nieren-System, von der Atmung bis zur Verdauung.

Alle diese Körpersysteme müssen ab der Empfängnis für zwei arbeiten, auch wenn es mit dem Verlauf der Schwangerschaft immer mehr an Platz mangelt.

Laut dem Verband der Osteopathen Deutschland e.V. hilft die osteopathische Behandlung der werdenden Mutter dabei, eine angenehme Schwangerschaft zu erleben und trägt dazu bei, dass das Ungeborene ausreichend Platz hat und gut versorgt wird.

Eine Schwangerschaft kann man grundsätzlich in drei Trimester mit verschiedenen Schwerpunkten einteilen, wobei es Empfehlungen gibt, sich in allen Trimestern jeweils einer osteopathischen Untersuchung zu unterziehen.

1. Das erste Trimester

Aufgrund der Hormonumstellung leiden viele Schwangere im ersten Trimester an Übelkeit und Erbrechen, wobei diese Beschwerden in der Regel nach Ende dieses Trimesters abklingen.

Osteopathisch lassen sich diese Beschwerden jedoch nicht behandeln.

Das Hormon Relaxin verursacht die Auflockerung von Bändern und Sehnen, was dafür sorgt, dass sich der Beckenboden bei der Geburt besser dehnen kann.

Allerdings kann es auch zu Muskelverspannungen kommen, die auch den Rückenschmerz begünstigen.

Osteopathisch können die immer weicher und beweglicher werdenden Strukturen unterstützt werden.

Wichtig wird das vor allem dann, wenn Blockierungen vorliegen, beispielsweise wegen eines Kaiserschnitts, einer Blinddarmnarbe, eines Sturzes aufs Becken.

Also geht es im ersten Trimester darum, die Beweglichkeit der Muskeln, Gelenke und des Beckens der Schwangeren zu überprüfen und ggf. zu behandeln. Auch bei Kopfschmerzen können Osteopathen Abhilfe schaffen.

Die cranio-sacralen Techniken können das mentale Wohlbefinden der Schwangeren fördern und sind eine Alternative zu Medikamenten, die in der Schwangerschaft gemieden werden sollen.

2. Das zweite Trimester

In dieser Zeit ist das Wachstum des Kindes intensiv. Die Körperstatik beginnt, sich zu verändern und die Gewebe werden immer weicher.

Der Körper hat die Möglichkeit, bestimmte Dysfunktionen zu kompensieren, allerdings wird das einer Schwangeren im zweiten Trimester nicht mehr möglich sein, weshalb sich Beschwerden einsetzen.

Es kann beobachtet werden, dass sich Kinder frühzeitig in die Schädellage senken, obwohl dies üblicherweise erst um die 30. Schwangerschaftswoche (SSW) passieren sollte.

Weil das Köpfchen des Babys bereits im Becken der Mutter liegt, kann es sich nicht mehr richtig bewegen.

Es wird vermutet, dass dies dazu führt, dass solche Kinder nach der Geburt Blockaden an den Halswirbeln und Schädelasymmetrien haben.

Es wird angenommen, dass es zur zu frühen Senkung des Ungeborenen aufgrund von Problemen im Oberbauchbereich oder eines blockierten Zwerchfells der Schwangeren kommt, wodurch das Kind nach unten und vorne gedrückt wird, sodass es nicht mehr ausreichend Platz hat, sich zu bewegen.

Deshalb wird bei der osteopathischen Behandlung im zweiten Trimester der Schwerpunkt darauf gelegt, einen Ausgleich zur verändernden Statik der Mutter zu geben und für die notwendige Beweglichkeit zu sorgen.

Der Osteopath kann helfen, die veränderte Statik des Körpers auszugleichen und Beckenring, Zwerchfell und Uterus beweglich zu halten.

3. Das dritte Trimester

Das gedehnte und weiche Gewebe kann zu Wassereinlagerungen in Beinen und Armen führen, was wiederum in den Händen für Taubheit sorgt.

Der Busen kann mit seinem größer werdenden Gewicht den Lymphabfluss erschweren.

Wenn das Kind tief im Becken liegt, kann das auf den Lymphabfluss hinderlich wirken, weshalb sich Wasser in den Beinen ansammelt.

Krampfadern am betroffenen Bein können begünstigt werden, wenn das Kind mehr auf einer Seite liegt und so den venösen Fluss stört.

Auch Hämorrhoiden können so entstehen, worüber Frauen nicht gerne reden. Eine Osteopathin könnte jedoch Abhilfe schaffen, indem sie das Baby behutsam nach oben schiebt.

Im dritten Trimester belastet dann das zunehmende Gewicht des Babys im Mutterleib den Rücken. Einige Frauen entwickeln dann ein Hohlkreuz oder eine Lendenwirbelsäule, was auch für Rückenschmerzen sorgt.

Schließlich helfen spezielle, angepasste und sanfte Techniken gegen Ende der Schwangerschaft, den Beckenring und die Wirbelsäule zu mobilisieren und das Kind in die Schädellage zu bringen, denn es kommt auch vor, dass Babys sich nicht in die Geburtslage senken.

Osteopathie Schwangerschaft – Bei welchen Symptomen ist eine osteopathische Behandlung sinnvoll?

Seit 2012 übernehmen auch einige gesetzliche Krankenkassen in Deutschland die Kosten der osteopathischen Behandlung, wenn eine ärztliche Bescheinigung die Notwendigkeit sowie eine anerkannte berufliche Qualifikation des Therapeuten oder der Therapeutin vorliegt.

Bei folgenden Beschwerden ist die Behandlung durch eine Osteopathin sinnvoll:

• Kopfschmerzen

• Kurzatmigkeit und Gefühl von Enge im Brustkorb

• Beschwerden im Bereich der Brust- und Halswirbelsäule

• Sodbrennen und Verdauungsprobleme

• Taubheits- und Kribbelgefühl in den Händen

• Lymphatische und venöse Abflussstörungen, vermehrter Harndrang, Inkontinenz

• Rückenschmerzen

• Dysfunktionen des Beckenrings, wie des Beckenbodens, der Symphyse, des Pubis

• Zu wenig Platz fürs Baby im Bauch

• Fehllagen des Ungeborenen

Osteopathie Schwangerschaft – Während und nach der Geburt

Auch eine Osteopathin kann die Geburt vorbereiten, indem sie vaginal arbeitet und das Kind so zentriert, dass es in der optimalen Schädellage liegt, sodass der Kopf auf dem inneren Muttermund liegt und ihn allmählich öffnen kann.

Ansonsten wird während der Wehentätigkeit das Baby zwar nach unten gepresst, aber das Kind hat es schwer, mit dem Kopf durch den Muttermund zu kommen und wird gestaucht.

Falls die Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist, kann eine weitere Untersuchung etwa drei bis sechs Wochen nach der Entbindung folgen.

Dabei wird die Mutter auf Blockierungen in der Wirbelsäule und im Becken untersucht, damit diese gelöst werden können.

Auch bei der Geburt entstandene Risse, Schnitte oder Folgen des Einsatzes einer Saugglocke oder Geburtszange können osteopathisch gelindert werden.

Auch bei Inkontinenz und bei Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs kann Osteopathie helfen.

Die Mutter wird also umfassend bei der Rückbildung ihres Körpers unterstützt und dieser Prozess dauert eigentlich so lange, bis sie stillt, also bleibt das Gewebe weich und auch die Körperstatik muss sich erst allmählich neu justieren.

Zwar sollten frisch gebackene Mütter nicht frühzeitig nach der Geburt Sport treiben, wie beispielsweise joggen oder schwimmen gehen, da das Gewebe noch zu weich und die Belastung für den Körper zu groß ist, aber ein Rückbildungskurs ist auf jeden Fall anzuraten.

Etwa sechs Monate nach der Geburt findet eine abschließende Untersuchung statt.

Auch Babys werden von Osteopathen untersucht, und zwar werden die Körperhaltung, die Bewegungen und die Reflexe geprüft.

Außerdem wird Ausschau nach Hinweisen für mögliche Störungen gehalten und den Eltern werden Fragen gestellt, ob das Kind gut schläft und trinkt, wie sein Stuhlgang ist und ob es sich auch ablegen lässt.

Beim Baby werden Schädel, Halswirbelsäule und Wirbelsäule sowie das Becken geprüft und untersucht, ob Zerrungen und Stauchungen während der Geburt erlitten wurden oder ob es im Mutterleib zu wenig Platz hatte, was sich nach der Geburt durch Beschwerden deutlich sichtbar wird.

Osteopathie Schwangerschaft – Der sorgenvolle Blick hinter den Trend

Nachdem du nun all diese Informationen, größtenteils aus osteopathischer Sicht, gelesen hast, habe ich für dich auch warnende Stimmen, die sozusagen auf die Kehrseite der Medaille aufmerksam machen.

Zur Studienlage von Osteopathie als Therapie in der Schwangerschaft

Die Wirkungen osteopathischer Behandlungen sind nämlich immer noch umstritten.

Zwar gibt es Studien, die diesbezüglich in der Forschung unternommen wurden, allerdings sind sie selten, die Anzahl der Teilnehmer gering und sie sind qualitativ nicht wirklich hochwertig.

So berichtet die Osteopathie Schule Deutschland (OSD) auf ihrer Webseite über eine systematische Übersicht von insgesamt 8 Studien, die von italienischen Forschern ausgewertet wurden und welche die Wirksamkeit von osteopathischen Behandlungen auf schwangerschaftsbezogene Faktoren überprüften.

Diese Studien sollen eine positive Wirkung der Osteopathie auf vegetative Funktionen, Schmerzen und Beeinträchtigung gezeigt haben.

Es soll seltener zu Frühgeburten, Kaiserschnitten und zum Einsatz der Geburtszange sowie zu weniger Dammrissen und Darmschnitten gekommen sein.

Die einzige eindeutige Aussagekraft dieser Studien ist aber, dass eine effektvolle osteopathische Behandlung von Rückenschmerzen nachgewiesen werden kann, alles andere sind keine Nachweise, sondern bloße Anzeichen für positive Tendenzen.

Außerdem handelt es sich bei einigen dieser Studien um Masterarbeiten, die nicht geprüft wurden.

Ich habe für dich auch einen Blick auf die Ergebnisse einer Studie der Akademie für Osteopathie in Deutschland (AFO) geworfen, die 2007 durchgeführt wurde und an der 78 Erstschwangere teilnahmen, wobei sich 40 in der Interventions- und 38 in der Kontrollgruppe befanden.

Die osteopathische Behandlung der Schwangeren der Interventionsgruppe wurde zwischen der 12. und 16. SSW angefangen.

Im Verlauf der Studie sind 13 Schwangere ausgeschieden. Es fanden insgesamt drei osteopathische Behandlungen statt, und zwar im ersten, zweiten und dritten Trimester.

Die Wirksamkeit wurde primär an der Geburtsdauer beurteilt, aber man nahm auch Komplikationen während der Geburt, Geburtsverletzungen und das Befinden der Kinder und der Mütter nach der Entbindung mittels Fragebögen unter die Lupe.

Es stellte sich heraus, dass sich die Geburtsdauer der osteopathisch behandelten Frauen um drei Stunden kürzer war als bei den unbehandelten Frauen der Kontrollgruppe.

Auch litten die behandelten Frauen weniger an Schmerzen während der Geburt und auch was die Geburtsverletzungen und Komplikationen angeht, fielen diese bei ihnen günstiger aus.

Jedoch haben diese Ergebnisse aufgrund der geringen Anzahl an Teilnehmerinnen keine statistische Signifikanz, aber sie sollen dazu ermutigen, weitere Arbeiten zu diesem Thema, besonders im Hinblick auf die Prävention, durchzuführen.

Im Jahr 2013 haben Autoren des Fachjournals “Pediatrics” eine systematische Analyse von Studien unternommen und sind zu einer ernüchternden Schlussfolgerung gekommen.

Demnach werden osteopathische Behandlungen eher von kleinen und mitunter verzerrten Studien gepriesen, während große und methodisch handfeste Studien keine Effekte zeigten.

Solange es einen beachtenswerten Mangel an seriösen Studien mit genügend Daten gibt, kann die Osteopathie, so die Autoren, nicht als effektive Therapie angesehen werden und Osteopathen sollten so etwas deshalb auch nicht behaupten.

Osteopathie als Marketinginstrument von Krankenkassen

Wenn du dich für eine osteopathische Behandlung entscheidest, solltest du dich ganz genau über die Kompetenzen der Therapeutin oder des Therapeuten informieren, denn unter ihnen sind auch solche, die keinerlei Experten sind.

In den letzten zehn Jahren ist das Interesse an Osteopathie bei Schwangeren und Eltern gestiegen, aber Wolfram Hartmann, der ehemalige Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, hat diesen Trend unter die Lupe genommen und Warnungen ausgesprochen.

2013 veröffentlichte Hartmann im Magazin “Kinder- und Jugendarzt” einen Artikel mit der Überschrift “Osteopathie – Marketinginstrument der Krankenkassen”, in dem er vermutete, dass Krankenkassen diese Behandlungsform als Mittel dazu benutzen, junge Eltern als neue Kunden zu werben.

Begonnen hatte der Behandlungs-Boom mit der Techniker Krankenkasse, die 2012 damit anfing, die Behandlungskosten zu erstatten, nach ungefähr einem Jahr aber wieder einen Rückzieher machte, weil die Ausgaben rasant stiegen, und beschränkte die Kostenerstattung auf 120 Euro im Jahr.

Die Krankenkassen gaben in Deutschland im Jahr 2012 34 Millionen Euro für osteopathische Behandlungen aus, während es ein Jahr später bereits rund 110 Millionen Euro waren.

In bestimmten Regionen Deutschlands würden die sogenannten sanften Mittel der Osteopathie bei Geburtsvorbereitungskursen gepriesen und von Hebammen empfohlen.

Die Eltern sind vor allem über das offene Ohr der Behandelnden begeistert, die bei Kindern und Säuglingen viele Beschwerden behandeln:

Stillprobleme und Drei-Monats-Koliken, Hüftfehlbildungen und Mittelohrentzündungen, sogar Neurodermitis und das notorische Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom sind im Behandlungsspektrum enthalten.

Dabei lassen die Krankenkassen die Tatsache, dass die Wirksamkeit umstritten ist, außen vor und, so Hartmann, nehmen damit in Kauf, dass Babys und Kinder sogar zu Schaden kommen könnten.

Osteopathen Schwangerschaft – Auf Irrwegen

So berichteten Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover 2009 im Fachjournal “Klinische Pädiatrie” von zwei Kindern mit Schiefstellungen des Halses, die aufgrund eines Hirntumors entstanden waren.

Osteopathen untersuchten die Kinder und stellten die Diagnose des sogenannten KiSS-Syndroms, das in der Osteopathie zirkuliert, aber umstritten ist. So trafen sowohl die richtige Diagnose als auch die Therapie erst Monate später ein.

Außerdem kann manipulativer Druck auf die Halswirbelsäule dazu führen, dass wichtige Blutgefäße reißen, die das Gehirn versorgen, wovor 2009 der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer warnte.

Dieses Risiko wird von den osteopathischen Schulen auch genannt.

Dann gibt es noch Fälle, in denen inkompetente Osteopathen Eltern falsche Informationen geben, wie beispielsweise, dass Impfungen vor dem Ende des ersten Lebensjahres wissenschaftlich umstritten sind, was eine gefährliche Aussage ist, weil beispielsweise Masern sogar tödlich enden können.

Osteopathie ist keine geschützte Berufsbezeichnung

Wichtig zu wissen ist, dass sich als Osteopathen in Deutschland meist Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker bezeichnen, aber “Osteopath” an sich keine geschützte Berufsbezeichnung ist.

Sei dir bitte dessen bewusst, dass es in Deutschland keine Vorgaben gibt, wie eine Ausbildung, die zum Osteopathen qualifiziert, aussehen muss. Das bedeutet, dass keine staatliche Stelle Schulen für Osteopathie Lehrpläne vorgibt.

Auch bekommen die Auszubildenden tatsächlich keine vollständige medizinische Ausbildung, sodass sie oftmals gar nicht wirklich mit ernsthaften Diagnosen und Krankheiten vertraut sind.

Zwar gibt es mehrjährige Schulen für Osteopathie, aber auch Wochenendkurse im europäischen Ausland, bei denen man sozusagen im Schnelldurchgang zum Osteopathen werden kann.

Die drei Formen der Osteopathie aus schulmedizinischer Sicht

Was bisher nachgewiesen werden konnte, ist, dass die strukturelle oder parietale Osteopathie bei Erwachsenen gegen Rückenschmerzen wirksam ist, was eigentlich auch nicht überrascht, wenn man bedenkt, dass es sich dabei meistens um Muskelverspannungen handelt.

Was die viscelare Osteopathie angeht, so gibt es für die Wirksamkeit ihrer Methoden bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis, während bestimmte Grundsätze der carnio-sakralen Osteopathie beim näheren Betrachten für Befremdung sorgen.

Den regelmäßigen Rhythmus nämlich, in dem Rückenmark und Gehirn schwingen, soll die Osteopathin oder der Osteopath mit den Händen spüren können, und zwar durch Wirbelkanal, Muskeln, Fettgewebe und Haut.

Zur Ansicht mancher Osteopathen, dass sie die Schwingungen des Kopfes, bei denen er abwechselnd breiter und schmäler wird, tatsächlich mit den Händen gefühlt werden könnten, nahm 2001 die deutsche Gesellschaft für Neuropädiatrie eine kritische Stellung ein.

Abschließende Gedanken

Osteopathische Behandlungen liegen in Deutschland seit etwa zehn Jahren im Trend.

Den Behandlungs-Boom hat die Techniker Krankenkasse 2012 ausgelöst, als sie Versicherten Zuschüsse erteilte, um von Osteopathen behandelt zu werden.

Die Osteopathie hat ihre Ursprünge und Anfänge in den USA des 19. Jahrhunderts, wo ein Arzt seine neue Theorie auf einer bestimmten Philosophie gründete, die den Menschen als Einheit versteht, und ihn eher narrativ als wissenschaftlich begründete.

Zwar wurde diese Theorie als Irrlehre abgetan, trotzdem haben sich drei Formen der Osteopathie entwickelt, die unterschiedliche Behandlungsschwerpunkte haben.

In diesem Beitrag habe ich dir zuerst die osteopathischen Techniken vorgestellt, die von Osteopathie Schulen beschrieben werden.

Außerdem habe ich aufgezählt, bei welchen Beschwerden in der Schwangerschaft und nach der Geburt Osteopathinnen und Osteopathen behaupten, Abhilfe und Linderung schaffen zu können.

Einen Umbruch konntest du im zweiten Teil dieses Beitrags erfahren, wo ich über die Studienlage zur Wirksamkeit der osteopathischen Behandlung geschrieben habe, aus der hervorgeht, dass es einen Mangel an methodisch korrekten und größeren Studien gibt, denen zufolge man Osteopathie als effektive therapeutische Behandlung ansehen könnte.

Es wurde, außer bei Erwachsenen gegen Rückenschmerzen, bis dato nicht wissenschaftlich erwiesen, dass osteopathische Behandlungen wirksam sind.

Außerdem lauern Schwierigkeiten und Gefahren auch hinter der Tatsache, dass es in Deutschland keine einheitlichen Vorgaben gibt, wie eine Ausbildung zum Osteopathen auszusehen hat und dass die Auszubildenden nicht vollständig medizinisch ausgebildet werden, sodass man an der Kompetenz der Diagnosestellung zweifeln müsste.

Es war mir wichtig, dass du auch kritische Einstellungen zur Osteopathie erfahren hast und ich empfehle dir, dich in erster Linie auf deinen Frauenarzt und deinen Kinderarzt zu verlassen, bevor du um sie einen Bogen zur Osteopathin machst.

Schließlich kannst du nicht wirklich einschätzen, wie kompetent der behandelnde Osteopath tatsächlich ist.

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